KI-Kunst
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Ich beobachte seit Längerem die Entwicklungen auf dem Gebiet der digitalen Kunst. Das letzte Kapitel wurde durch die generativen KI-Systeme aufgeschlagen. Das Internet wird von einer Flut KI-generierter Bilder und Videos überschwemmt - und das Publikum applaudiert.
Ich selbst muss feststellen, dass auch bei mir diese Bilder und Videos wirken - so wie Pornos wirken, ohne dass man sich dagegen wehren kann - nur wegschauen. Die neue KI-Kunst überfällt uns mit ihrer pompösen, überzuckerten Ästhetik wie visuelle Pornographie und wer sich mehrere solcher "Werke" anschaut, wird schnell von einem ästetischen Völlegefühl heimgesucht. Hier ein paar Beispiele:
https://youtube.com/@painters_dream
https://youtube.com/@almost.routine
https://youtube.com/@extraordinaryvisualart
https://youtube.com/@AstravellStudios
https://youtube.com/@themovingpainting
https://youtube.com/@kellyeld2323
https://youtube.com/@retrofuturaai
https://youtube.com/@theartfulframe
https://youtube.com/@jinikal-art
https://youtube.com/@alternaterealities4732
https://youtube.com/@aiflicknips
https://youtube.com/@drsadekai
https://youtube.com/@bradclarkai
https://youtube.com/@theunrealrealms
https://youtube.com/@fantasailand
https://www.lumas.de/ki-kunst/
Inhaltsverzeichnis |
Diebesgut
KI-Kunst ist Hehlerware. Gestohlene Ideen neu arrangiert werden als eigene kreative Ausdrucksformen verkauft. Wer sich die Werke mit wachem Blick anschaut, wird in ihnen eine Menge Klischees aber wenig künstlerischen Eigensinn finden.
Bombastische Sci-Fi Scenarien, überladener Surrealismus, Pin-up Girls und Mangafrisuren, Steampunk-Kitsch und Hyper-Ästetik - ein Gebräu aus den Bilderwelten von Computerspielen, Fantasy- und Sci-Fi-Filmen, Superheldencomics und romantischen Gothik-Welten.
Kunst und KI
Wie immer springen auch heutige Kreative auf jeden Zug auf, der ihnen verspricht, sie ein wenig näher zu Erfolg und Anerkennung zu bringen. So auch dieser Künstler, der beeindruckt von den Glanzbildchen der KI-Welt einen digitalen Kunstkritiker in die Welt gesetzt hat. Der darf jetzt über Kunst schwurbeln und unsere Welt mit vielen Worten über irgendwas mit Kunst zumüllen.
https://herrclair.de/portfolio-item/aiden-der-erste-digitale-kunstkritiker-der-welt/
Was diese Seiten beweisen: Diskurse über Kunst waren noch nie so sinnlos wie heute. Eine Maschine rührt die Kunstkritik des 20sten Jahrhundert zu einem Brei und spuckt ihn als Wortschwall wieder aus. Erkenntnisgewinn? Kunst und Kultur sind im 21. Jahrhundert - ebenso wie Wirtschaft, Industrie, Verwaltung und Bildung - durchdrungen von Prozessen, Standards und Algorithmen. Wir leben in Maschinensystemen! Wozu Menschen? Wer kritisiert Aiden Blake?
Das Frauenbild der KI
Wie sieht eine Frau aus? Wenn es nach generativen KI-Systemen geht: Große Augen, Stupsnäschen, leicht geöffnete Lippen, große Brüste, schwellender Po! ... und das geht so: google-Bilder zu AI-Art+women
...AI-Mannsbilder
Und hier das männliche Klischee: google-Bilder zu AI-Art+Men
Kunst und KI
Ich kann es nicht lassen. Anstatt einen Gedanken selbstständig und mit eigener Anstrengung auszuarbeiten, lasse ich mich von den neuen Möglichkeiten der LLM-Systeme verführen. Ein durchdachter Prompt und schon habe ich einen ausgearbeiteten Text, den es nur noch zu überfliegen gilt, um grobe Fehler und Abweichungen von der eigenen Intention zu beseitigen. Ich bin hin und her gerissen zwischen Faszination und Ekel vor der eigenen Bequemlichkeit.
Hier ein weiterer Versuch, sich ein Essay von einem LLM schreiben zu lassen, anstatt es selbst zu erarbeiten. Es gibt nur noch fremde Federn, mit denen man sich schmücken kann - aber sind sie noch von Bedeutung? Es ist wie der Kauf eines Ferraris. Mann fährt stolz damit herum, ohne irgendetwas zu seiner Produktion und Entstehung beigetragen zu haben. Mann hat nur gewählt
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Zwischen Handwerk und Sinnstiftung: Kunst im Zeitalter künstlicher Intelligenz
Die gegenwärtige Debatte um KI-generierte Bilder, Texte und Musik kreist auffallend oft um die Frage, ob das, was diese Systeme hervorbringen, „wirklich Kunst“ sei. Diese Frage ist jedoch weniger neu, als sie auf den ersten Blick scheint. Sie ist vielmehr ein Echo eines kulturhistorischen Bruchs, der sich bereits mit der Moderne vollzogen hat: der schrittweisen Trennung von handwerklicher Produktion und kreativer Sinnstiftung. Künstliche Intelligenz radikalisiert diese Trennung, hebt sie jedoch nicht auf. Im Gegenteil: Sie macht sichtbar, dass Kunst – trotz aller technischen Verschiebungen – weiterhin auf menschliche Sinngebung angewiesen bleibt.
Bis weit in die Vormoderne hinein war Kunst unauflöslich an Kunstfertigkeit gebunden. Das lateinische *ars* und das griechische *technē* bezeichneten gleichermaßen Können, Wissen und praktische Meisterschaft. Kunst war nicht primär Ausdruck subjektiver Originalität, sondern eine Verbindung aus erlernter Technik und schöpferischer Variation. Der Künstler – Maler, Bildhauer, Komponist – schuf Neues, indem er innerhalb tradierter Formen neue Sinnzusammenhänge erschloss. Kreativität war ohne Handwerk nicht denkbar, und Handwerk ohne Sinnbezug bloße Routine.
Mit der Neuzeit, insbesondere mit der industriellen Revolution, begann sich dieses Gefüge zu verschieben. Technische Reproduzierbarkeit und Massenproduktion führten dazu, dass der produktive Akt zunehmend von der individuellen Kunstfertigkeit entkoppelt wurde. Maschinen konnten herstellen, was zuvor nur Hände vermochten. Diese Entwicklung blieb nicht ohne Folgen für die Kunst. Spätestens im 20. Jahrhundert trat mit den Avantgarden eine radikale Infragestellung der handwerklichen Dimension des Kunstwerks auf.
Marcel Duchamps berühmtes *Fountain* – ein industriell gefertigtes Pissoir, signiert und im musealen Kontext präsentiert – markiert einen Wendepunkt. Das Kunstwerk entstand nicht mehr durch die Bearbeitung des Materials, sondern durch eine konzeptuelle Setzung. Ähnlich verfuhren Dadaisten und Surrealisten mit Fotomontagen und Collagen: Vorgefundenes Material wurde nicht hergestellt, sondern neu kontextualisiert. Die künstlerische Leistung lag zunehmend im Akt der Auswahl, der Rahmung und der Bedeutungsverschiebung.
Damit verlagerte sich der Schwerpunkt des künstlerischen Schaffensprozesses. Die handwerklich-produktive Seite trat in den Hintergrund, während der sinnstiftende, kuratierende Akt zur eigentlichen künstlerischen Praxis wurde. Kunst konnte nun entstehen, ohne dass der Künstler das Objekt im traditionellen Sinne „gemacht“ hatte. Entscheidend war nicht mehr das Wie der Produktion, sondern das Warum und In-welchem-Zusammenhang.
Die modernen KI-Systeme führen diese Entwicklung konsequent weiter. Sie sind Produktionsmaschinen par excellence: hochkomplex, statistisch operierend, aber im Ergebnis erschreckend effizient. Bilder, Texte und Klänge entstehen auf Knopfdruck, ohne dass der Mensch selbst noch zeichnen, schreiben oder komponieren müsste. Was einst Maschinen im industriellen Maßstab leisteten, vollzieht sich nun im symbolischen Raum der Kultur.
Daraus ergibt sich die weit verbreitete Befürchtung, KI könne den Künstler ersetzen. Doch diese Sorge verkennt den eigentlichen Kern des künstlerischen Prozesses, wie er sich seit der Moderne herausgebildet hat. Denn so sehr KI auch produziert – sie stiftet keinen Sinn. Sie kennt weder Bedeutung noch Kontext, weder Relevanz noch kulturelle Dringlichkeit. Ihre Produkte sind Ergebnisse von Wahrscheinlichkeitsverteilungen, nicht von Erfahrung, Intention oder Welterfahrung.
Ein KI-generiertes Bild ohne menschliche Setzung ist, kulturphilosophisch gesprochen, nicht mehr als ein Objekt im Sperrmüll. Es existiert, aber es bedeutet nichts. Erst im Moment der menschlichen Auswahl, Interpretation und Kontextualisierung kann es zu Kunst werden. Genau hierin liegt die Parallele zum industriellen Pissoir: Es wird nicht dadurch Kunst, dass es existiert, sondern dadurch, dass ein Mensch es aus der Welt der Dinge herauslöst und in einen neuen Bedeutungsraum stellt.
In diesem Sinne verschärft KI nicht die Krise der Kunst, sondern legt ihre Bedingungen offen. Kunst war nie bloß Produktion, sondern immer auch – und zunehmend – Sinnstiftung. Die Frage „Hat das eine KI gemacht?“ ist daher weniger relevant als die Frage: *Warum wird es gezeigt? In welchem Zusammenhang steht es? Welche Erfahrung ermöglicht es?* Der Künstler ist nicht verschwunden; er hat seine Rolle weiter verschoben – vom Hersteller zum Sinnarchitekten.
Das bedeutet nicht, dass handwerkliche Kunstfertigkeit wertlos geworden wäre. Im Gegenteil: Gerade in einer Welt automatisierter Produktion kann sie neue Bedeutung gewinnen, als bewusste Gegenpraxis oder als ästhetische Haltung. Doch sie ist nicht länger die notwendige Bedingung von Kunst. Notwendig bleibt allein die menschliche Fähigkeit zur Bedeutungszuschreibung, zur Reflexion und zur Öffnung neuer Perspektiven auf die Welt.
So gesehen sind KI-Systeme keine Künstler, sondern Werkzeuge – mächtige, irritierende, manchmal inspirierende Werkzeuge. Ohne menschliche Sinnstiftung bleiben ihre Produkte stumm. Mit ihr jedoch können sie Teil eines künstlerischen Prozesses werden, der weniger im Machen als im Denken, weniger im Produzieren als im Verstehen besteht. Die Ambivalenz der KI in der Kunst liegt daher nicht in ihrer technischen Leistungsfähigkeit, sondern in der Frage, wie wir sie in unsere kulturellen Sinnzusammenhänge einbetten. Kunst beginnt nicht dort, wo etwas erzeugt wird, sondern dort, wo etwas zu sprechen beginnt – und sprechen kann nur, was ein Mensch zum Sprechen bringt.
--- Und hier der dazugehörige Prompt:
Bitte schreibe ein kulturhistorisch und philosophisch orientiertes Essay über die Ambivalenz zwischen den neuen KI-Werkzeugen und unserer Idee von Kunst. Gehe dabei von der These aus, dass Kunst bis in die Neuzeit eine Kombination aus handwerklicher Kunstfertigkeit und kreativer Kunstfertigkeit zur Schaffung neuer Sinnzusammenhänge darstellte. In der Neuzeit, mit der Entwicklung der Massenproduktion, wurden Produktion und kreative Sinngebung in der Kunst getrennt. Man konnte "Kunstwerke" schaffen, ohne Kunstfertigkeit in ihrer Produktion zu besitzen. Ein industriell hergestelltes Pissoir konnte zum musealen Kunstwerk werden. Illustriertenphotos konnten in Kollagen in einen neuen, sinnstiftenden Kontext gestellt werden. Damit reduzierte sich der künstlerische Schaffensprozess mehr und mehr auf den sinnstiftenden, kurratierenden Teil, während der handwerklich, produktive Anteil in den Hintergrund trat. Mit den modernen KI-Systemen wird diese Trennung vertieft. Trotzdem bleibt der künstlerische Schaffensprozess mit oder ohne KI-Systeme von menschlicher Sinnstiftung abhängig. KI-Produkte ohne Künstler sind wie Pissoirs im Sperrmüll. Erst wenn ein Mensch es in ein Museum stellt, entsteht ein neuer Kontext mit der Möglichkeit Menschen zu inspirieren.
