Zivilisation und Konsum

Aus Wiki1

Version vom 14:29, 25. Jul. 2026 bei Hans Dampf (Diskussion | Beiträge)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Wenn man die These akzeptiert, dass Zivilisation die Fähigkeit des Menschen zur Dämpfung und Kontrolle seiner Affekte und Bedürfnisse nach unmittelbarer Befriedigung von Lust, Hunger, Vergeltung und all der anderen Todsünden erfordert, dann erodiert unsere moderne Konsumgesellschaft diese Voraussetzung.

Die Zähmung der Affekte im Sinne eines zivilisierten Umgangs miteinander ist für den einzelnen Menschen mühevoll und anstrengend. Er braucht die Unterstützung der Gemeinschaft durch verlässliche Regeln, Anerkennung, Traditionen. Alleine auf sich gestützt gelingt es den wenigsten, ihre Bedürfnisse zu zähmen. Unzählige Opfer von Süchten nach allem und jedem, Gewalttäter, die ihrer Wut freien lauf lassen und Menschen, die gefangen sind in ihren Gefühlen, zeugen davon.

Doch der auf Konsum begründete Kapitalismus erodiert diese gesellschaftliche Unterstützung. Werbung und Propaganda suggerieren uns das Recht zur unbedingten Bedürfnisbefriedigung, damit auch das letzte sinnlose Produkt oder die albernste Dienstleistung noch vermarktet werden kann. Bescheidenheit, Zurückhaltung, die Idee des maßvollen Lebens sind die Feinde des Konsums und werden als langweilig, borniert und engstirnig etikettiert. Es ist das Zeitalter des Hedonismus, der Pornographie, der bedingungslosen Lusterfüllung.

Aber eine Welt, in der Affekte nur noch ausgelebt und nicht mehr gestaltet werden, verliert ihre zivilisatorische Basis. Der Konsum zerstört die Zivilisation.

Persönliche Werkzeuge